Dies ist ein Bericht über meine erste mehrtägige Radtour, die die Elbe entlang ging. Ein zweites Ziel ist es, anderen Reisenden Hinweise/Tips zu geben. (Natürlich kann ich keine Gewähr für die Information übernehmen.) Ich mache keine Fotos, auch wenn das für viele unverständlich ist. Ich finde die Fotos in Büchern viel professioneller als die, die ich selbst ohne zuviel anzustrengen machen würde. Wer mehr sehen will, der soll ja selbst fahren! (Außerdem verbessert ja sich die Ladezeit:)
| Schöna - Bad Schandau - Pirna - Dresden - Meißen - Riesa |
Da ich in Dresden wohne, bin ich auf dieser Strecke mehrmals gefahren. Daher nahm ich sie nicht in die Tour. Hier wollte ich nur ein paar Bemerkungen machen. Diese Strecke ist gut beschildert und hat hohe Qualität: gute Wege, schöne Landschaften, viele Übernachtungsmöglichkeiten. Sie ist gut in der Literatur beschrieben. Die Fähre Schöna-Hrensko ist zugleich ein Grenzübergang. Vor kurzem war der Radweg auf dem linken Ufer zwischen Heidenau und Pirna gesperrt. Man/frau konnte entweder eine Umleitung machen, die auf dem Fußweg neben einer stark befahrenen Straße geht, oder auf das rechte Ufer wechseln. Nun ist der Weg wieder frei. Zwischen Dresden-Pillnitz und Dresden-Zentrum kann es auf dem Radweg an sonnigen Wochenenden zu Staus kommen. In Dresden ist es am einfachsten, die Elbe zu überqueren, über die Albertbrücke (die erste Brücke, vom Süden kommend, nach dem Blauen Wunder). Ungefähr 250 m vor der Brücke links hinauf (samstags findet da ein Trödelmarkt statt), weiter auf dem kombinierten Fuß-/Radweg. Das Schöne dabei ist es, man/frau muß nicht einmal absteigen. In Meißen gibt es keine Schilder. Ich fahre geradeaus, unter die Brücke. Da ist der Weg anfangs sehr holperig; dafür gibt es keine großen Steigerungen, die sonst in Meißen so häufig vorkommen.
| 1. Tag 10. April 1998,
Karfreitag Riesa - Torgau - Strehla - Lutherstadt Wittenberg |
Pünktlich, um 5 vor 6, stand ich auf, frühstückte, fuhr mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof, von da mit der RegionalBahn nach Riesa. Ich sah dabei keine anderen Fahrgäste, ich sah niemanden zum oder vom Zug gehen. Nur an der Endstation, in Riesa, merkte ich noch zwei Menschen. Das waren also drei Fahrgäste in vier Doppeldecker-Wagen. Wie umweltfreundlich! Also um acht fahre ich endlich los, durch die schlafende, sehr sozialistisch aussehende Stadt zur Autobrücke. Es begleiten mich an jedem Posten die Werbungplakaten zu einer Erotik-Messe. Das Wetter ist perfekt. Leicht kühl, sonnig und frisch. Die Vorhersage versprach dabei Regen! In Strehla stehe ich 5 Minuten am Ufer und frage mich, wo die Fähre ist. Endlich kapiere ich, daß die graue Masse vor mir kein Steg sondern die Fähre ist! Der Fähremann sieht nicht allzu freundlich aus, ich lenke ihn ja vom Zeitunglesen ab. Es ist OK. Da es sehr wenig Verkehr gibt, fahre ich gern auf der B182 und mache dabei eine Abweichung durch Außig (auf dem Schild vor dem Ort lautet es Außig, also mit ß, auf allen Karten dagegen Aussig). In Plotha geht ein Stück des Weges über eine Baustelle, die Schilder weisen auf den noch nicht fertigen Weg. Dann gibt es eine ganz schlimme unbefestigte nasse Strecke nach Dröschkau. Danach ist aber alles perfekt. In Weßnig sehe ich schon das Schloß von Torgau. Am Ufer beim Schloß steht das Ehrenmal der Begegnung am 25. April 1945 der 1. Ukrainischen Front und amerikanischer Truppen. Obwohl es auf dem "amerikanischen" Ufer steht, ist es auf russisch und mit sowjetischen Symbolen ausgezeichnet, nur unten stehen kleine Schilder mit Übersetzungen ins Deutsche und ins Englische.
In Döbern esse ich in einer Gaststätte. Das Essen ist sehr gut und billig dabei. Das einzige, was mich in solchen Einrichtungen stören kann, sind die immer 5 bis 7 Männer, die schon am Vormittag (!) da sitzen, Bier trinken, laut sprechen laut und ohne zu stoppen rauchen. Der Weg ist ganz gut. Ich fahre auf frischem Asphalt. Schilder gibt es eigentlich zu viel. Ich mußte so entscheiden, ob nach links dem Schild nach Drebligar oder nach rechts dem Schild nach Polbitz folgen. Nach Drebligar war es richtig. Zur Fähre in Pretzsch komme ich ein bißchen zu spät. Ich hätte fast auf die Fähre springen können. Dann müssen wir noch warten, bis zwei große tschechische Kähne vorbeikommen. Das ist viel Zeit. Weiter geht es rechts, links, rechts, links. Ich folge den Schildern und weiß nicht mehr, wo ich bin. Ich weiß aber, daß ich nach Norden fahre. Der Wind ist vom Südosten, und das ist herrlich! Und bald bin ich schon in der Lutherstadt und radle die Dresdener Straße entlang. Es ist schon Sachsen-Anhalt hier. Auf den Zeitungskästen steht die Mitteldeutsche Zeitung, nicht mehr die Sächsische Zeitung. In diesem Bundesland sind sie Landtagswahlen vor der Tür. Dazu gibt es viel Werbung auf der Straßen. Viele Gesichter aus den Reihen von CDU, SPD, FDP, PDS, DVU und den Grünen begleiten mich die nächsten Tage. "Der Kanzler kommt", lautet eine andere Reihe von Werbungen. Der Kanzler hat die deutsche Fahne im Hintergrund. Seine Haut sieht so aus, als ob er den letzten Monat auf Mallorca verbracht hätte. Der rechte Arm zeigt nach vorne (in dieser Pose steht Lenin in mehr als der Hälfte von seinen zahllosen Statuen in der ehemaligen Sowjetunion). PS: Das Ergebnis der Wahl würde ganz Deutschland schockieren.
Das Zentrum von Wittenberg ist eine Fußgängerzone (Fahrrad frei). Die Stadt sieht sehr westlich aus. Keine Plattenhäuser, keine Baustellen, alles schön und sauber. Die Schilder an den Gebäuden sind zweisprachig (Englisch/Deutsch). Beim Türken ist das Menü riesengroß. Welch ein Kontrast zu Dresden, wo in solchen Buden das ganze Angebot ist: Döner und "Super"-Döner! Dazu gibt es hier eine Menge Eiscafes. Fast zuviel.
| 2. Tag, 11. April 1998,
Ostersamstag Wittenberg - Dessau - Magdeburg |
Die Turmuhr schlägt acht, als ich mich auf den Sattel setze. Auf der Dessauer Straße (ich mag diese funktionellen Straßennamen!) verlasse ich die Lutherstadt. Wegen Bauarbeiten gibt es bald eine Umleitung, und zwar auf einer Straße, die selbst repariert werden könnte. Bis Coswig geht es gut. Schön ist es nicht (eine stark befahrene Straße rechts, ein Industriegelände links), aber hier darf man sich über jeden Radweg freuen. Der Himmel ist grau. Es wird bestimmt regnen. Die ersten Tropfen fallen, als ich auf der Fähre bin. Schnell den Regenanzug anziehen. Achtung: Der Weg nach Wörlitz geht anfangs die Elbe entlang stromaufwärts! Mir ist das verwirrend. Der Wörlitzer Park sieht schön aus. Wegen des Regens bin ich aber nicht in der Stimmung, viel zu gucken. Ein paar Müsliriegel und weiter. Der Weg wird immer schwieriger (nasser Sand), es regnet und regnet, kein Mensch ist zu sehen. Ich überlege mir, ob ich in Dessau bleiben soll. Unter der Autobrücke bei Vockerode gibt es eine Baustelle. Ich habe nur mit großen Schwierigkeiten durchgehen können. Unter der Autobrücke bei Dessau, wo es trocken ist, mache ich eine kleine Pause und wasche das Fahrrad im Wasserstrom, der von der Brücke herunterfließt. Dann in die Stadt, am Bauhaus vorbei, an der Jugendherberge vorbei. Tschüs, Dessau. In Akenaufs rechte Ufer. Die Gegend wird ganz wild. Kein Mensch ist da; dafür sah ich zwei Hasen! Es gibt hier Schilder für R1 und R1a. R1a geht am Fluß. Wegen des Regens denke ich überhaupt nicht daran, dort zu fahren. Im allgemeinen wird das Ganze ganz klar zu einem Leistungssport. Ich bin zu müde, die Gegend zu genießen oder gar zu beobachten. Ich fahre nur fort. In Pretzien esse ich in einem kleinen Laden. Es hat inzwischen aufgehört zu regnen; der kalte Wind weht aber immer noch. Ich sehe schon Autos mit MD-Nummerschildern, und das freut mich! Bis Magdeburg geht es ereignislos. Dies ist eine Stadt wie Dresden, eine Mischung von DDR-Plattenhäusern, nach der Zerstörung im Krieg wiederaufgebauten alten Gebäuden und nach der Wende entstandenen modernen Kaufhäusern, Büros, Kinos usw.
| 3. Tag, 12. April 1998,
Ostersonntag Magdeburg - Tangermünde - Arneburg |
Um acht wieder in den Sattel. Ein bißchen Muskelkater fühle ich in den Beinen. Heute sollte ich wohl nicht so viel fahren. Das Wetter ist ganz gut, nur ein bißchen zu kalt. Eine kleine Tour durch das Zentrum von Magdeburg und wieder ans Ufer. In Magdeburg ist es wegen der vielen Baustellen nicht einfach zu fahren: Umleitungen ohne Ende. Die schlimmste Überraschung wartet noch auf mich. Die Brücke über das kleine Flüßchen Ehle liegt am Ufer! Das ist die erste Brücke von der Mündung, wie es auf der ADFC-Karte steht. Ich gehe das Flüßchen entlang (es gibt fast keinen Weg) zur zweiten Brücke. Diese ist in einem solchen Zustand, daß es mich nicht überraschen würde, wenn sie die Behörden schließen würden. Auf der Brücke über der Autobahn A2 Berlin-Hannover rieche ich viele Abgase. An diesem Tag kamen auf dieser Autobahn sieben Menschen ums Leben... Ich habe das Glück, im Elbe-Havel-Kanal ein großes Schiff in der Schleuse zu sehen. Mit der ganz neuen Fähre in Rogätz aufs linke Ufer, und der Weg freut mich. Tangemünde ist voll Touristen. Das kann ich verstehen: die Stadt ist einzigartig. Bei Arneburg wird der Weg schlecht, dazu geht es auch rauf und runter. Aber ich sehe schon das Silhouette des Atomkraftwerkes und weiß, das Ziel (Arneburg) ist nah. Die Natur in diesem Gebiet, in der Altmark, ist sehr schön.
| 4. Tag, 13. April 1998,
Ostermontag Arneburg - Werben - Wittenberge |
Beim Frühstück esse ich eine Menge Butter. Normaleweise würde ich das niemals tun. Nun hoffe ich aber, das Fett wird beim Fahren verbrennen. Gegen halb neun bin ich los. Der offizielle Weg umgeht das AKW, ich fahre aber durch. Das unbenutzte AKW von Kalkar (NL) wird zu einem Funpark. Hier ist es nicht der Fall. Es gruselt mir, als ich zwischen zwei Zäunen fahre und der Kühlturm 30-50 m von mir steht. Das kalte Wetter treibt mich fort. Ich fahre so schnell, wie ich kann. Die Hände sind schon so rot, wie Stopplampen an Autos. Werben sieht wie eine alte Stadt aus. Um halb eins komme ich schon in Wittenberge und fahre zum Rathaus. Dann rechts, den Großen DDR-Troika entlang (die Straße heißt erst Ernst-Thälmann-Straße, dann Friedrich-Engels-, und endlich Karl-Marx-Straße). Am Ende der Karl-Marx-Straße links ist der Bahnhof. Ich habe kaum Zeit, Fahrkarten zu kaufen und das Gleis zu finden (in dem Bahnhof ist es nicht so einfach), und fahre zurück nach Dresden. Aus dem Zug sehe ich wieder das AKW. Im Vordergrund stehen Windenergiegeneratoren. Das wäre ein Foto, mit beiden im Blick!
(NB: Im ganzen Bereich von Magdeburg bis Wittenberge schien mir die ADFC-Karte nicht sehr genau zu sein, was die Befahrenheit und die Beschaffenheit der Wege betrifft. Das kann freilich an anderen (Werk-)Tagen ganz anders aussehen. Ich wollte auch, daß das AKW klar gezeichnet wäre. )
| Fazit |
Im allgemeinen war die Tour ein riesiger Erfolg. Ich habe mich so gesund schon lange nicht gefühlt. Die frische Luft und physische Aktivität machen echt viel. Die Chance, kleine Städte und Dörfer zu sehen, ist mir auch viel wert. Es freut mich auch sehr, daß das Fahrrad (Alex Cross) den Test bestanden hat. Wer weiter fahren will und kann, dem soll es leicht fallen. Nach Wittenberge sollen die Wege gut sein, da ist nämlich schon die "alte" Bundesrepublik.
| Bemerkungen |
(1) Es gibt viele Ortsnamen, die einander sehr ähnlich sind. Aufpassen!
(2) Sackgasseschilder können zu echten Sackgassen hinweisen, aber auch zu den, die nur für Autos Sackgassen sind.
| Übernachtungsmöglichkeiten |
Pensionen gibt es fast überall. Hier ist die Liste der Jugendherbergen (die mit * gezeichneten JHs sind etwas abseits der Strecke): Reinhartdsdorf-Schöna (*), Bad Schandau, Königstein, Rathen, Pirna, Dresden (x3), Radebeul, Strehla, Lutherstadt Wittenberg, Dessau, Gommern (*), Magdeburg, Hitzacker, Lüneburg(*), Lauenburg, Geesthacht, Hamburg (x2), Stade, Glückstadt, Ottendorf, Cuxhaven.
Genaue Adressen und mehr Informationen auf der DJH-Homepage. Achtung: z.Z. muß man /frau beim Suchen im Verzeichnis immer den vollen Namen benutzen, z.B. "Bad Schandau" und nicht "Schandau". Die JH in Magdeburg ist neu und daher nicht in allen Büchern/auf allen Karten. Dagegen gibt es keine JH in Meißen und Arneburg, obwohl man sie in älteren Quellen noch findet.
| KFZ-Kennzeichen |
Ich finde es günstig, aus KFZ-Kennzeichen herauszufinden, wo ich bin. Dazu ist hier eine Auswahl von den Zeichen. Im Internet gibt es volle Verzeichnisse, auch mit zusätzlichen Informationen über Städte und Kreise.
| Literatur |
(1) Lutz Gebhardt, Am Strom entlang Elbe, Fahrradführer von der Quelle bis Magdeburg, Moby Dick Verlag, Kiel, 1997.
(2) Lutz Gebhardt, Am Strom entlang Elbe, Fahrradführer Magdeburg bis Cuxhaven, Moby Dick Verlag, Kiel, 1995.
Diese (1 und 2) sind sehr interessant geschrieben. Ich könnte diesec Bücher lesen, auch ohne wirklich zu fahren! Gute Fotos. Viel historische Information. Nebenroute und Ausflüge beschrieben. Anhang mit Adressen und Telefonen. Ebenfalls im Anhang befindet sich ein Literaturverzeichnis.
(3) Elbe-Radweg 1, Von Prag bis Magdeburg,
bikeline-Radtourenbuch, Verlag Roland Esterbauer, Wien, 1997.
Fast perfekt. Sehr praktisches Format. Dieser Reiseführer ist
auch der aktuellste. Ausflüge und Nebenrouten. Stadtpläne! Übernachtungverzeichnis
(NB: Nicht alle Jugendherbergen sind da.) Der Verlag hat
angeblich eine WWW-Seite,
die ich aber nie erreichen konnte.
(4) Rad-Fernwandertouren Deutschland 1, Kompass
Radwanderführer, Deutscher Wanderverlag Dr. Mair & Schnabel
& Co., Stuttgart, 1995.
Die Elbe-Tour ist nur eine der drei Touren, die hier beschrieben
werden. Sehr viele Einzelheiten, was besonders wert für
unerfahrene RadlerInnen sein könnte. Andererseits keine Ausflüge,
keine Nebenroute, keine Adressen oder Telefonnummern.
| Ausgewählte Links |
(ADFC Dresden; ADFC Hamburg)
Elbe-Homepage (viel
Info zum Naturschutz und Fotos)
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